August 20, 2014
Die Benutzerkarte. (Willi-Bredel-Bibliothek, Berlin) (Foto: judith74 auf Flickr, Lizenz: CC BY-NC-SA 2.0)

Die Benutzerkarte. (Willi-Bredel-Bibliothek, Berlin)

(Foto: judith74 auf Flickr, Lizenz: CC BY-NC-SA 2.0)

July 22, 2014
Die Bibliothek als Modeschöpfkelle. Das Beispiel des Designers Raimund Bertholds.

Eine Gruppe, die im Diskurs zu den möglichen Nutzer- und Zielgruppen außerordentlich selten auftaucht, ist die der Architekten, Gestalter und Modeschöpfer. 

"Es stellt sich so dar, als habe am Anfang der Gestaltung der Fassadenstruktur ebenfalls der Gang in die Bibliothek gestanden."

wusste der Soziologe Jörg Potthast 1998 in seiner Studie “Sollen wir mal ein Hochhaus bauen? Das Architekturbüro als Labor der Stadt.” (Potthast, 1998), die man nach wie vor allen Erstsemesterstudenten der Fachbereiche für Architektur nur empfehlen kann, zu berichten. Auch wenn es sich dabei um die Hausbibliothek des Büros handelte, aus der sich die Mitarbeiter Ideen und Impulse für die Entwurfsarbeit holten, so zeigt sich doch, dass Bibliotheken als Orte der Inspiration für die schöpferischen Zweige unserer Gegenwartskultur (und -ökonomie) durchaus an zentraler Anlaufpunkt sein können. 

Ein weiteres Beispiel stammt von dem Designer und Sammler Raimund Berthold. In so gut wie jedem Interview zu seiner Arbeit scheint er die Rolle der Bibliothek für den Prozess der Kreation zu betonen. So erzählte er im Interview mit DAZED im Jahr 2012 über den Beginn jeder Kollektion:

I have an idea of where I want to go and then start in the library going through new and old books.” (Oliver, 2012)

Ganz ähnlich eine Aussage, mit der ihn das Weblog Style Salvage zitiert:

"I would describe my design process as quite organic. First, my research either entails discovering a catalyst that sparks the thought process or in other instances, I approach it with a clear mind and spend a day in the library going through book after book, collating images that do something and inspire me to start sketching." (Berthold, 2013)

Und schließlich findet sich in einem noch ziemlich aktuellen Interview der Fachplattform SELECTISM zur Frühjahrskollektion von Berthold folgende Aussage (Dystant, 2014):

image

Die Bibliothek - welche Einrichtung(en) der Designer konkret nutzt, erfährt man leider nicht - als Kultursammelpunkt für alles, was ein kreativen Prozess auslösen kann, ist eben auch eine Funktion und man muss hier das Wort Serendipity eigentlich gar nicht mehr einwerfen, so offensichtlich zeigt es sich hier als Allover-Print. Aber wenn man den Gedanken weiterführt, dann werden aus den Maker Spaces, die in steigender Frequenz als konzeptionelle Zukunftsräume der Bibliotheken gehandelt werden, vielleicht auch Tailoring Spaces. Der Annoyed Librarian des Library Journal bloggte jedenfalls gestern sehr passend:

Will 3D printers get people in the door? Then buy some! Sewing machines? Toss out the books and put some in.” (Annoyed Librarian, 2014)

Fraglich ist allerdings, ob die Bibliothek damit wirklich aus dem Schneider wäre. Denn Raimund Berthold besucht sie ja nicht, weil er eine Nähmaschine braucht. Sondern wegen der Bücher. Will man also als zeitgemäße Einrichtung für - wenigstens im Falle  Bertholds - überzeugende zeitgemäße Mode inspirieren, sollte man Druckwerke am Ende vielleicht neben den Nähkästchen auch längerfristig anbieten.

Dazu passt übrigens, dass Buch- und Druckdesign einen Aufschwung (auch in Richtung Exklusivität) erleben, der in dieser Verästelungstiefe, glaube ich, kulturgeschichtlich kaum Vorläufer hat. Wie sich dabei Buch- und Textildruck verbinden, zeigt das Beispiel eines schwedischen Verlags?, Labels?, das einen uns sehr passenden Namen trägt: Libraryman.

Quellen

Annoyed Librarian (2014) What to Call the Reinvented Library. In: Library Journal / libraryjournal.com, 21.07.2014

Berthold, Raimund (2013) Inspired… Berthold AW13. In: Style Salvage, 03.01.2013

Dystant, Lena (2014) London Collections: Men Preview. Berthold Spring 2015. in: SELECTISM.org, 10.06.2014

Oliver, William (2012) Exclusive Preview: Berthold S/S13. Loose shapes and oversized elements clash with slim silhouettes in Raimund Berthold’s spring collection. In: DAZED / dazeddigital.com.

Potthast, Jörg (1998) “Sollen wir mal ein Hochhaus bauen?” Das Architekturbüro als Labor der Stadt. Berlin: WZB, 1998; Zitatstelle: S.28

(bk, 22.07.2014)

July 20, 2014
Die Mittelpunktbibliothek Adalbertstraße in Berlin-Kreuzberg am Samstagabend wie sie die LIBREAS-Redaktion nach der Redaktionssitzung sah.

Die Mittelpunktbibliothek Adalbertstraße in Berlin-Kreuzberg am Samstagabend wie sie die LIBREAS-Redaktion nach der Redaktionssitzung sah.

July 20, 2014
germanpostwarmodern:

Neue Staatsbibliothek (1967-78) in Berlin, Germany, by Hans Scharoun

germanpostwarmodern:

Neue Staatsbibliothek (1967-78) in Berlin, Germany, by Hans Scharoun

(Source: stadtentwicklung.berlin.de)

July 16, 2014
Auch für Digital Scholarship gilt: fachwissenschaftliche Expertise ist wichtiger als Technikkompetenz.

Monica E. Bulger, Richard E. Mayer, Miriam J. Metzger (2014) Knowledge and processes that predict proficiency in digital literacy. In: Reading & Writing. Online: 30.03.2014
DOI: 10.1007/s11145-014-9507-2

Kernaussagen:

Die AutorInnen untersuchten in ihrer Studie mit einem Sample von 150 Studierenden a) welche Expertise notwendig ist, um wissenschaftliche Aufgaben (hier: Verfassen eines Essays) mit digitalen Werkzeugen erfolgreich umzusetzen sowie b) welche Schritte zur erfolgreichen Erfüllung dieser Aufgabe führen.

Sie ermittelten, dass Erfahrung mit der Wissenschaft sowie Fachwissen wichtiger als digitaltechnisches Wissen sind. (a) Die Kompetenz der Integration von Inhalten, Zitaten und Fakten) ist für das Verfassen von Essays wichtiger als Recherchekompetenz. (b) Generell sind für die Expertise im wissenschaftlichen Arbeiten mit digitalen Werkzeugen wissenschaftliche Erfahrung wichtiger als technische Erfahrung und Kompetenzen für die Wissensorganisation wichtiger als Wissensakkumulation. Entsprechend, so die AutorInnen, sind die Maßgaben der so genannten guten wissenschaftlichen Praxis (“basic tenets of good scholarship”) auch im Kontext digitaler Medien anzuwenden.

(bk, 16.07.2014)

P.S. Eine Variation über das Thema liefert auch Weird Al Yankovich in seiner Variation eines Popsongs über verschwimmende Linien: Word Crimes.

July 16, 2014

libraryjournal:

vintageanchorbooks:

"Word Crimes" is better than "Blurred Lines". 

"Your participles are dangling!"

July 16, 2014
Wozu Buzzwords wichtig sind. Erkenntnisse auch für das Bibliotheksmanagement.

Robert Cluley (2013) What Makes a Management Buzzword Buzz? In: Organization Studies. 34 (1) S. 33-43. DOI: 10.1177/0170840612464750

Normalerweise veröffentlichen wir in unserem mehr oder weniger Referatedienst der Rubrik daily lis (ursprünglich stand uns ein täglicher Dienst vor Augen) Hinweise auf möglichst aktuelle Literatur, die uns (a) über den Schreibtisch gleitet und (b) als besonders relevant oder lesenswert für die Bibliotheks- und Informationswissenschaft erscheint.

Das muss aber nicht immer so sein. Im LIBREAS-Weblog finden sich beispielsweise hin und wieder auch Blicke in mutmaßlich längst überholte Publikationen, die uns aber gerade aus der Distanz sehr viel über den Diskurs zu den Themen, die uns bewegen (Digitalisierung, Digitalisierung und Digitalisierung, früher: Bibliothek 2.0, später: Big Data) lehren. Warum? Nun, das Vergleichen von Argumenten und Argumentationsformen einst und jetzt ermöglicht es im Idealfall, aus den ganzen wilden Debatten zum Medienwandel ein Substrat zu gewinnen, anhand dessen sich das wirkliche Neue oder Neuartige hinter den Buzzwörtern und Redundanzreflexen erkennen lässt. In der Folge lassen sich in einer Kommunikationsgemeinschaft, ebenfalls im Idealfall, die Kommunikationen straffen und ihre Kreise auf dieses Substrat konzentrieren.

Der Artikel Robert Cluleys aus dem Jahr 2013 schließt hierbei auf der Ebene des Meta an. Der Forscher von der Business School der Universität in Nottingham untersuchte, welche Funktion(en) Buzzwörtern tatsächlich in organisationalen Kontexten zuerkannt werden können. Da Bibliotheken selbst exzellente Beispiele für Organisationen sind, in denen Buzzwörter von Besprechungstisch zu Besprechungstisch gereicht werden, sind seine Erkenntnisse als Hintergrundwissen sicher außerordentlich hilfreich, wenn es darum geht, die Aussagen von BibliotheksleiterInnen und nicht zuletzt auch die inhaltliche Kraft von Fachbei- und vorträgen zu bewerten. Finden wir jedenfalls.

Kernaussagen:

Die Funktion von Buzzwörtern ist der Schutz vor Kritik an dem diese Äußernden. (“Rather than deal with the grounds of citicism, buzzwords misdirect people who could offer criticism.”)


Die Funktion von Buzzwords liegt
(1) beim Durchsetzen von Autorität (“Managers are supposed to be authorative yet they may lack the training, time and capabilities to be so. Here management buzzwords help managers sound like managers and to signal their authority.”)

(2) beim Vermitteln und Anregen von Prozessen und Kommunikation (“In this way, buzzwords are effective tools for communication as they bring up organizational iussues that those in a situation already know about, but to do so in a new way.” bzw. “to acknowledge and accept facts that they [the managers] do not want to admit to directly”)

(3) zun Streuen von Verantwortung (“they allow managers to describe their decisions as if they are actually not their decisions”)

(bk, 16.07.2014)

July 15, 2014
Auch das: Die Gutenberg-Galaxis.

Auch das: Die Gutenberg-Galaxis.

July 14, 2014
Ankündigung: 5. Studenten-Workshop für informationswissenschaftliche Forschung (SWiF2014) in Berlin.

Im November wird diesmal in Berlin der Studenten-Workshop für informationswissenschaftliche Forschung am Berliner Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft Station machen. Da wir von LIBREAS (bzw. vom LIBREAS-Verein) sowohl der informationswissenschaftlichen Forschung, dem Berliner IBI und natürlich all den Studierenden, die Bibliotheks- und / oder Informationswissenschaft eben nicht nur als Studiengang zum Erreichen eines Abschlusses sondern auch als Feld für eigene Forschung ansehen, so offen gegenüberstehen, wie es nur geht, teilen wir den Aufruf zur Teilnahme und alle kommenden Informationen zur Veranstaltung selbstverständlich und sehr gern. 

(red. 14.07.2014)

5. Studenten-Workshop für informationswissenschaftliche Forschung (SWiF2014)  

Berlin, 14. und 15. November 2014 

organisiert vom Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin

unterstützt von LIBREAS e.V.

Liebe Studierende, 

nach vier erfolgreichen Veranstaltungen an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg und der Fachhochschule Köln plant in diesem Jahr das Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin (IBI) den Studenten-Workshop für informationswissenschaftliche Forschung (SWiF).

Ziel dieser Veranstaltung ist es, dass sich Studierende aus verschiedenen Hochschulen kennenlernen können, um sich zum einen über allgemeine Aspekte des Studiums auszutauschen und zum anderen fachlich über eigene Interessensgebiete zu diskutieren. Hierzu soll der Studenten-Workshop einen passenden Rahmen liefern.

Der fachliche Austausch basiert dabei vor allem auf Vorträgen zu studentischen Forschungsarbeiten mit anschließender Diskussion im Plenum. Zur Präsentation eignen sich alle studentischen
Forschungsarbeiten, beispielsweise Ergebnisse aus Bachelor- und Master-Arbeiten oder aus anderen Abschlussarbeiten, Team- und Forschungsprojekten.

Organisation 

Im Folgenden werden die wesentlichen organisatorischen Aspekte zusammengefasst. Bei weiteren Fragen stehen die Organisatoren natürlich gerne zur Verfügung.

WANN:

  • Freitag, 14.11.2014 13:00 – 19:00 Uhr (anschließend gemeinsames Abendessen) 
  • Samstag, 15.11.2014 9:30 – 13:30 Uhr (anschließend gemeinsames Mittagessen und touristisches Programm) 

Ein detailliertes Programm mit Zeitplan wird noch bekannt gegeben.

WO:

Humboldt-Universität zu Berlin, Campus Mitte
Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft
Dorotheenstraße 26, 10117 Berlin, Raum 19

WAS:

Studierende präsentieren in ca. 20 Minuten Ihre Forschungsergebnisse. Es gibt zusätzlichen Raum für Diskussionen und Gespräche.


WER:

Die Veranstaltung richtet sich insbesondere an Studierende, die ihr Studium noch nicht vollständig abgeschlossen haben (beispielsweise Bachelor-Studenten, die ein Masterstudium anhängen möchten).
Alle Studierenden aus dem (weit gefassten) Gebiet der Informationswissenschaft sind herzlich eingeladen, ihre Vorschläge einzureichen.

 
WIE:

Wenn Sie Interesse haben, an diesem Workshop teilzunehmen und Ihre
Forschungsergebnisse in einem etwa 20‐minütigen Vortrag vorzustellen, reichen Sie bitte bis zum 15.09.2014 eine kurze Zusammenfassung (max. 300 Wörter) Ihres Forschungsthemas ein. Da die Teilnehmerzahl begrenzt ist, wählen die Organisatoren aus allen Einreichungen die geeigneten Vorträge aus. Für die Teilnahme an dem Workshop wird eine Gebühr in Höhe von maximal 50 Euro vor Ort erhoben. In dieser
Gebühr enthalten sind zwei Mittagessen und ein Abendessen. Bitte haben Sie Verständnis, dass die Kosten für An- und Abreise, Übernachtung und Verpflegung von jedem Teilnehmer selbst zu tragen sind. Für eine eventuelle Kostenübernahme durch die Hochschule und wegen der Details zur Organisation der Anreise und Übernachtung wenden Sie sich bitte an Ihre betreuenden Dozenten vor Ort.

MEHR:

Berichte über frühere Veranstaltungen:

Interessierte Mitarbeiter aus anderen Hochschulen setzen sich bitte zur Absprache weiterer Teilnahmemöglichkeiten direkt mit den Organisatoren in Kontakt.

Die SWiF-Reihe wird seit 2010 von Katrin Weller, Isabella Peters und Dirk Lewandowski organisiert.


Weitere Informationen folgen.

Wir freuen uns auf Ihre Präsentationsvorschläge!


KONTAKT:
Humboldt- Universität zu Berlin
Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft

Evelyn Dröge
Mail: evelyn.droege@ibi.hu-berlin.de
Telefon: 030-2093-4265 


Dr. Violeta Trkulja
Mail: violeta.trkulja@ibi.hu-berlin.de
Telefon: 030-2093-4462

July 10, 2014
Jede Forschungsgruppe braucht einen Embedded Librarian.

Robert Janke, Kathy L. Rush (2014) The academic librarian as co-investigator on an interprofessional primary research team: a case study. In: Health Information and Libraries Journal. Volume 31, Issue 2, June 2014, S. 116–122. DOI: 10.1111/hir.12063

Kernaussagen:

Die Autoren erläutern anhand eines Projektes namens New Graduate Integration Team (NewGIT) die Möglichkeiten der Integration eines Informationsspezialisten bzw. Biblitohekars unmittelbar in Forschungsgruppen. Sie leiten aus den Erfahrungen ab, dass Forschungsteams stark von der Einbindung eines Bibliothekars profitieren. (“Every research team needs a librarian who is a core member of the investigative team and not a peripheral member.”) Der “Embedded Librarian” erfüllt dabei weitgehend die klassischen Rollen der Informationssuche, -beschaffung und -organisation. Er kann jedoch bereits beim Finden und Formulierung des jeweiligen Forschungsprogramms produktiv einbezogen und den gesamten Forschungsprozess bis zur Ergebnispublikation begleiten. Die Erwähnung als Ko-Autor und damit die Anerkennung als vollwertiges Mitglied der Forschungsgruppe ist ein motivierender Aspekt für den Bibliothekar, in dieser Form und damit außerhalb traditioneller bibliothekarischer Strukturen, aktiv zu werden. Auch die mit der Aufgabe generell verbundenen Herausforderungen wirkten im beschriebenen Fall, neben verschiedenen individuellen Gründen, als Motivation. Die Autoren betonen weiterhin, dass das Konzept einer Embedded Librarianship die Sichtbarkeit der und das Verständnis für die bibliothekarischen Kompetenzen erhöhen kann.

(bk / 10.07.2014)

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